Palmhof – Sei bereit

Heidi Schatzl seit Oktober 2026 Permanent

Von 1919 bis 1938 florierte in der Mariahilfer Straße 135 (Ecke Palmgasse) im 15. Gemeindebezirk Wiens das Café Palmhof. Das Konzert- und Tanzcafé war ein kosmopolitisches Zentrum des Wiener Kultur- und Gesellschaftslebens. 1938 wurden die Betreiber, die Gebrüder Pollak, aufgrund ihrer jüdischen Herkunft von den Nationalsozialisten enteignet; ihre Familie wurde vertrieben und größtenteils ermordet. 2026 setzt die Künstlerin Heidi Schatzl an der Fassade des Hauses ein Erinnerungszeichen, das die Geschichte des legendären Kaffeehauses und seiner Betreiber sichtbar macht.

Die Brüder Otto (1894–1978) und Karl Pollak (1889–1943) machten das Café in der Zwischenkriegszeit zu einem der populärsten Wiener Treffpunkte. Abends traten hier Stars der Musikwelt bei Tanzveranstaltungen und Konzerten auf, die regelmäßig live im Radio übertragen wurden. Als das Kaffeehaus 1938 „arisiert“ wurde, flüchtete die Familie Pollak nach Gaya in Mähren, der Geburtsstadt der Brüder. Von dort wurde die gesamte Familie 1943 in das Ghetto und Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. 61 Familienmitglieder wurden ermordet, darunter Karl, der weiter nach Auschwitz deportiert wurde. Otto und seine Tochter Helga (1930–2020) überlebten. Nach dem Krieg betrieb die französische Garnison das Palmhof während der Besatzungszeit als Truppencafé; erst bei ihrem Abzug 1953 gingen die Räume an Otto Pollak zurück. Das Café Palmhof eröffnete er nicht mehr.

Nach umfangreichen Recherchen und Interviews verdichtet Heidi Schatzl diese Geschichte zu einem visuellen Zeichen: Eine Skulptur an der Fassade zitiert die ehemalige Leuchtreklame des Café Palmhof und nimmt die Linien des Leuchtturms auf, den die zwölfjährige Helga Pollak im Lager als „Lebenssymbol“ wählte und in ihr Tagebuch zeichnete. Seitlich liest man den Schriftzug „Buď připraven“ (Sei bereit) – der Leitgedanke für den Überlebenswillen des Kindes. Ein weithin sichtbarer QR-Code führt zu einer zweiten Ebene der künstlerischen Arbeit: einem digitalen Bildarchiv mit Aufzeichnungen zur Geschichte des Cafés und seiner Betreiber, zusammengestellt von Heidi Schatzl. Es erzählt die fast vergessene Geschichte zweier Brüder, die ein Stück Wiener Kulturgeschichte prägten.

Blue Boys, „Du bist die Welt für mich“ (von Richard Tauber) live aus dem Café Palmhof 1934, Credit: RAVAG-1, ORF

Weiterführende Info

Heidi Schatzl (geb. 1971) arbeitet an der Schnittstelle Raum, Kunst, Forschung und legt dabei einen besonderen Fokus auf die Architektur der Moderne. Schwerpunkte ihres Forschungsinteresses liegen auf der Architektur im Nationalsozialismus, den entzogenen Bauten der Wiener Moderne sowie der „Wiener Moderne“ in Israel. Die Künstlerin lebt und arbeitet in Wien.

Ein Projekt initiiert von der Bezirksvertretung Rudolfsheim-Fünfhaus.
Projektorganisation von coobra - cooperativa braccianti in Kooperation mit KÖR Wien.
Ermöglicht durch Bezirksvertretung Rudolfsheim-Fünfhaus, Nationalfonds, Zukunftsfonds, KÖR Wien.

Ansichtskarte Café Palmhof (1928–30), Foto: Ilwerba G.m.b.H., Berlin/Privatarchiv
Foto: © MK, Bildrecht

Bildarchiv Palmhof 1919 bis 1954

Heidi Schatzl Palmhof – Sei bereit

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